5. Getriebe

Kraftfahrzeuge werden mit
Schalt-, Automatik-, Verteiler- und Achsgetrieben ausgerüstet. Um eine einwandfreie Funktion der
Getriebe über die gesamte Einsatzdauer zu gewährleisten, bedarf es spezieller Getriebeöle für die
entsprechenden Baugruppen. Deshalb gehen Getriebeöle heute als Konstruktionselement mit in die
Entwicklung ein.
Finden Sie nachfolgend die Anforderungen an ein Getriebeöl:
5.1 Getriebeöle: Betriebssicherheit
Schmierung, Scherstabilität des Schmierstoffes, zuverlässiger Verschleißschutz für
Getriebekomponenten sowie Dichtungen, Anti-Schaumverhalten, Temperaturkontrolle, Korrosionsschutz,
Lasttragevermögen, Verhinderung von Grübchenbildung (Pitting), Dispergiervermögen,
Unempfindlichkeit gegenüber Dichtungen, Unempfindlichkeit gegenüber Metallen, Mischbarkeit mit
anderen Schmierstoffen.
5.2 Spezifikationen
Neben den Werksnormen der einschlägigen Kfz- und Zulieferindustrie sind die Richtlinien für
Getriebeöle des American Petroleum Institute (API) maßgebend. Die API-Klassifikationen können
allerdings nur eine grobe Einteilung liefern, da die Anforderungen an moderne Getriebeöle sehr
komplex sind.
5.2.1 API-Klassifikationen
Hiernach werden die Service-Anforderungen für amerikanische Kfz-Getriebeöle beschrieben. Die
GL-Abstufungen bilden kein Qualitätsmerkmal
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GL-1:
Spiralverzahnte Kegelradgetriebe, Schneckengetriebe und handgeschaltete Getriebe bei
niedrigen Gleitgeschwindigkeiten und geringer Flächenpressung der Zahnflanken. Es genügen Öle ohne
verschleißschützende Zusätze.
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GL-2:
Schneckengetriebe mit Anforderungen an das Lasttragevermögen, das Temperaturniveau und die
Gleitgeschwindigkeit, so daß Öle nach GL-1 nicht mehr genügen.
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GL-3:
Spiralverzahnte Kegelradgetriebe und Handschaltgetriebe unter mäßig erschwerten Bedingungen
hinsichtlich Last und Drehzahl. Öl mit mildwirkenden Verschleißschutzzusätzen.
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GL-4:
Gerad - und Stirnverzahnte Getriebe, auch mit leichtem Achsversatz. Getriebeöle nach API GL-4
sind heute typische Vertreter in quereingebauten Transaxle-Getrieben.
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GL-5:
Hypoidverzahnte Getriebe (kreuzende Wellen mit großem Achsversatz) in PKW und anderen
Fahrzeugen unter schockartiger Belastung bei hoher Drehzahl. Getriebeöle nach API GL-5 werden heute
vorzugsweise in Hinterachsdifferentialen eingesetzt.
Praktische Bedeutung haben heute nur Getriebeöle nach API GL-3, GL-4 und GL-5.
Torsendifferentiale benötigen Getriebeöle nach API GL-5.
Lamellensperrdifferentiale benötigen Getriebeöle nach API GL-5 mit zusätzlicher
LS-Performance (LS = Limited Slip). Ohne den Zusatz kommt es bei Kurvenfahrt zu Geräuschen.
5.3 Fragen zu Getriebeöl
5.3.1 Kann man auch Getriebeöl API GL-3/ GL-4 statt API GL-5
einsetzen?
Ein modernes Schaltgetrieböl muß auf der einen Seite synchronfreundlich, auf der anderen
Seite jedoch widerstandsfähig gegenüber hohen Flächenpressungen und Oberflächenbeanspruchungen
sein, um Verschleiß, Pitting etc. zu vermeiden.
Dabei muß eine Balance gefunden werden, denn mit steigender Anti-Verschleiß- und Extreme
Pressure (EP) - Performance verschlechtert sich das Synchronverhalten eines Schaltgetriebeöles.
Ein API GL-4 Schmierstoff hat deshalb ein für ein Schaltgetriebe optimiertes Additiv -
Verhältnis.
Die Verwendung eines solchen Getriebeöles in einer API GL-5 - Anwendung könnte daher höheren
Verschleiß hervorrufen.
5.3.2 Kann man auch Getriebeöl API GL-5 statt API GL-3/ GL-4
einsetzen?
Jeder Autofahrer möchte eine komfortable und schnelle Synchronisation ohne Kratzgeräusche.
Das bedeutet, daß die Reibung am Synchronkonus nicht zu hoch sein darf, um hakeliges Schalten zu
vermeiden. Sie sollte jedoch auch nicht zu niedrig sein, um ein Durchrutschen des Synchronringes zu
vermeiden, was wiederum eine Schaltung unmöglich machen würde.
Da zum Teil eine zu geringe Reibung beim Einsatz eines API GL-5 - Schmierstoffes in einem
Synchrongetriebe beobachtet werden kann, wird vom Einsatz ausdrücklich abgeraten.
5.4 Automatic Transmission Fluid (ATF)
Ein ATF dient im wesentlichen zur Druckübertragung. Über einen Wandler wird Strömungsenergie
in ein Drehmoment umgewandelt. Die Planetensätze bzw. die mit Bremsbändern und Lamellenpaketen
ausgestatteten Zahnräder werden hydraulisch angesteuert und je nach gewünschten
Übersetzungsverhältnissen abgebremst.
Führende Hersteller bieten eine neue Generation von automatischen Getrieben an, die das Ziel
haben, den Kraftstoffverbrauch für das Fahrzeug zu reduzieren, den Schadstoffausstoß zu vermindern
und den Fahrkomfort sowie die Betriebssicherheit zu optimieren. Wesentliche Merkmale sind eine
5-Stufen-Automatik, geregelte Überbrückungskupplungen und aufwendige Mikro-Prozessoren zur
elektronischen Steuerung der Schaltvorgänge.
5.4.1 Überbrückungskupplung spart Sprit

Die weltweit
bedeutendsten Hersteller für Automatikgetriebe sind General Motors und Ford. Beide Hersteller
fassen ihre Anforderungen an das ATF in Spezifikationen zusammen, die bei Ford als MERCON und GM
als DEXRON bekannt sind. Aufgrund der weltweiten Verfügbarkeit der ATF's übernehmen andere
Hersteller gern die Spezifikationen und verschärfen oder erweitern sie entsprechend ihren
Erfordernissen.
5.4.2 Vorteile synthetischer ATF's
Vorteile sind:
- Sehr hohe Temperatur- und Alterungsstabilität, d. h. hoher Schutz vor Ablagerungen bzw.
Verkokungen
- Wesentlich besseres Kältefließverhalten
- Höherer Wirkungsgrad
- Reduzierung der Öltemperaturen