2. Motorenöl-Klassifikation /
Spezifikation
Für Fahrzeuge wurden Anfang des 19. Jahrhunderts unlegierte Motorenöle ohne Klassifikation
vorgeschrieben. Anfang der 40er Jahre benötigte das amerikanische Militär erstmals legierte
Motorenöle. Diese wurden mit dem Begriff "HD-Motorenöl" (HD = Heavy Duty = schwere Beanspruchung)
erstmals in den amerikanischen MIL-Spezifikationen aufgeführt. Heute ist die Abkürzung ohne
Bedeutung.
Etwa zur gleichen Zeit erarbeitete das Amerikanische Petroleum Institut (API) eine
Klassifikation für Motorenöle die auch heute noch Gültigkeit hat. Das API- Klassifikationssystem
unterscheidet zwischen S-Klassen für den Ottomotorbereich und C-Klassen für den Dieselmotorbereich.
Der zweite Buchstabe oder die Zahl geben den jeweiligen Leistungsstand der Motorenöle wieder. Der
alphabetisch höhere Buchstabe schliesst die vorhergehenden Leistungsstandards mit ein.
Anfang der 90er Jahre erarbeitete die europäische Organisation CCMC Motorenölklassifikationen
auf Basis europäischer Motore, Kraftstoffe und Betriebsbedingungen. Die CCMC D -, CCMC PD
-(Ottomotor) und CCMC G -(Dieselmotor) Spezifikationen wurden durch ACEA -Klassifikationen A
(Ottomotor), B, C und E (Dieselmotor) ersetzt.
Auf Basis dieser ACEA-Klassifikationen schreiben massgebliche europäische Fahrzeughersteller
hauseigene Spezifikationen vor die zunehmend an Bedeutung erlangen.
Im asiatischen Bereich wurden in den letzten Jahren für PKW die API-Klassifikationen als
ILSAC-Klassifikationen eingeführt. Darüberhinaus gibt es verschiedene Klassifikationen für
Zweitakt-Motore in unterschiedlichen Fahrzeugen.
In Motorenöl-Klassifikationen und -Spezifikationen werden neben chemisch-/physikalischen
vornehmlich motorische Anforderungen beschrieben. In einigen Kriterien besonders kritische
Motorenteste bilden die Grundlage für die heutigen europäischen, US-amerikanischen oder japanischen
Klassifikationen.
Die jeweiligen länderspezifischen Anforderungen hinsichtlich Motortypen, Abgasgesetzgebung,
Kraftstoffart und Betriebsbedingung sind die Basis der Klassifikation. Eine Anpassung der
Klassifikationen mit ständig steigen Grenzwerten erfolgt kontinuierlich.
Neben dem Verhalten von Ölen während der Testphase werden Motorenseitig z.B. Verschleiss an
verschiedenen Bauteilen, Ablagerungen und Rückstandsbildungen, Kraftstoffverbrauch oder Ölverbrauch
beurteilt. Seriennahe Motore System Otto- oder Dieselmotor mit verschiedensten
Kraftstoff-Zufuhrsystemen (z.B. Typ Common Rail, Benzindirekteinspritzung, Pumpe-Düse) und
Ladersystemen sind für die Prüfung in akkreditierten Laboratorien oder auf hauseigenen Prüfständen
erforderlich. Teilweise werden namentliche Freigaben erteilt.
Weltweit sind heute folgende Klassifikationen / Spezifikationen von Bedeutung:
2.1. ACEA-Motorenöl-Klassifikationen (Europa)
Association des Constructeurs Euroéens d`Automobiles ist die Vereinigung von Fahrzeug- und
Mineralölherstellern die u.a. Anforderungsprofile für Motorenöle erarbeiten. ACEA ist die
Nachfolgevereinigung von CCMC, deren Klassifikationen CCMC D.., CCMC PD .. und CCMC G .. durch die
ACEA-Klassifikationen abgelöst wurden.
Bisher gibt es folgende ACEA-Klassifikationen für Motorenöle:
Klasse A - Motorenöl für Ottomotore in PKW
A 1, A 2, A 3, A 4 und A 5 mit unterschiedlich chemisch-/physikalischen Anforderungen und
gering unterschiedlicher motorischer Anforderung für Benzinmotore - auch mit Direkteinspritzung -
mit unterschiedlichen Ölwechselintervallen, Leichtlaufcharakter und Kraftstoffeinsparpotenzial.
Ergänzt wird die Buchstaben-/Zahlenkombination häufig mit einer Jahreszahl, die auf das
Ausgabedatum der Klassifikation hinweist.
Klasse B - Motorenöl für Dieselmotore in PKW und leichten Nutzfahrzeugen
B 1, B 2, B 3, B 4 und B 5 mit unterschiedlichen chemisch-/physikalischen und motorischen
Anforderungen für Dieselmotore mit unterschiedlichen Ölwechselintervallen, Leichtlaufcharakter und
Kraftstoffeinsparpotenzial. Ergänzt wird die Buchstaben-/Zahlenkombination häufig mit einer
Jahreszahl die auf das Ausgabedatum der Klassifikation hinweist.
Klasse E - Motorenöl für Dieselmotore in Nutzfahrzeugen und LKW
E 1 (inzwischen zurückgezogen), E 2, E 3, E 4 und E 5 mit gering unterschiedlichen
chemisch-/physikalischen Anforderungen und sehr unterschiedlichen motorischen Anforderungen für
Dieselmotore mit unterschiedlichen Ölwechselintervallen, US-Performance und Leichtlaufcharakter.
Ergänzt wird die Buchstaben-/Zahlenkombination häufig mit einer Jahreszahl die auf das Ausgabedatum
der Klassifikation hinweist.
Im Rahmen der kontinuierlichen Überarbeitung der ACEA-Klassifikationen wird es in 2005 einige
grundlegende Neuerungen / Änderungen geben:
Für Motorenöle die in Dieselmotore mit Partikel-Filter eingesetzt werden, wird für den
Einsatz im PKW und im leichten Nutzfahrzeug die Klasse C eingeführt.
Klasse C - Motorenöl für Dieselmotore mit Partikel-Filter
C 1, C 2 und C 3 mit unterschiedlichen chemisch-/physikalischen Anforderungen und gering
unterschiedlicher motorischer Anforderung. Klassifikation für Motorenöle mit neuer
Additvtechnologie, längere flexible Ölwechselintervalle, Leichtlaufcharakter und
Kraftstoffeinsparpotenzial.
Die Klassifikationen A und B werden zusammengelegt. Dies bedeutet eine Reduzierung der Anzahl
an Klassifikationen von bisher 9 auf zunächst 4:
ACEA A1/B1
ACEA A3/B3
ACEA A3/B4
ACEA A5/B5
Die chemisch-/physikalischen Daten sowie die grundlegenden motorischen Anforderungen bleiben
zunächst unverändert. Die Kombination der Klassifikation ACEA A2/B2 soll bis 2006 den
Marktgegebenheiten angepasst werden; evtl. wird auf Global DLD 1 verwiesen.
Die Klassifikation E wird um E 6 - für Nutzfahrzeugöle in Motore mit Partikel-Filter -
erweitert, E 3 wird ersatzlos gestrichen, E 5 durch E 7 ersetzt. In allen Klassifikationen kommen
mit Ausgabe xx-04 einige neue Motorenteste zur Anwendung.
2.2. API-Motorenöl-Klassifikationen ( USA )
Das American Petroleum Institut erstellt u.a. Motorenöl-Klassifikationen mit folgender
Nomenklatur:
API - S .. für Ottomotore in PKW
API - C .. für Dieselmotore in Nutzfahrzeugen und LKW
Der Anteil an Dieselmotoren in US-PKW ist gering, sodass keine entsprechende Klassifikation
vorhanden ist. Zusätzlich zum Buchstaben S oder C wird dem Alphabet folgend ein Buchstabe oder eine
Zahl genannt. Aktuell sind die Klassifikationen API SL und API CI-4. Diese Klassifikationen
überdecken leistungsmäßig frühere Buchstaben-/Zahlenkombinationen weitgehend.
Neue Motoren, erweiterte Anforderungen an die Abgaswerte, weiter eingeschränkte Grenzwerte
für die Motorenteste führen dazu, das in den nächsten Jahren die Klassifikation API SM
Gültigkeiterlangen wird.
2.3. ILSAC-Motorenöl-Klassifikation ( USA )
Das International Lubricant Standardization and Approval Committee nutzt zusammen mit einem
weiteren amerikanischen Institut und der JAMA ( Japan Automobile Manufacturers Association ) die
API-Klassifikationen für den eigenen ILSAC Standard. Heute aktuell ist ILSAC GF 3 ( API SL ),
Klassifikation ILSAC GF 2 entsprach API SJ, ILSAC GF 1 war API SH. ILSAC GF 4 wird der
Klassifikation API SM zugeordnet.
2.4. Spezifikationen der
Fahrzeughersteller
Auf Basis von ACEA- oder API-Klassifikationen haben die Fahrzeughersteller Hausnormen
veröffentlicht. Hierin werden gegenüber den ACEA- oder API-Testen verschärfte Anforderungen in
Bezug auf die chemisch-/physikalischen Daten, Sonderteste bis hin zu Strassentesten gefordert.
Hier die Hausnormen der Hersteller VW, Ford, Opel, Mercedes-Benz, BMW in der Übersicht:
VW/Audi
|
Norm
|
Zuordnung
|
| 502.00 |
Bezinfahrzeuge mit hoher Motorleistung |
| 503.00 |
Benzinmotoren bei PKW ab BJ. 2000 und Wartungs-Intervallverlängerung |
| 503.01 |
Für Benzin-Turbomotoren |
| 504.00 |
Benzinmotoren mit/ohne Wartungsintervallverlängerung |
| 505.00 |
Diesel-Fahrezeuge ohne Pumpe-Düse |
| 505.01 |
Diesel-Fahrezeuge mit Pumpe-Düse |
| 506.00 |
Für Dieselmotoren ohne Partikelfilter und verlängerten Wartungs-Intervall |
| 506.01 |
Für Dieselmotorenmit Partikelfilter und verlängertem Wartungs-Intervall |
| 507.00 |
Dieselmotoren mit/ohne Wartungsintervallverlängerung |
Mercedes
|
Norm
|
Zuordnung
|
| 229.1 |
für alle Pkw bis Bj. 2002 |
| 229.3 |
Für Fahrzeuge mit Aktiven Service System (ASSYST) |
| 229.31 |
Für Dieselfahrzeuge mit Rußpartikelfilter |
| 229.5 |
- Für Fahrzeuge mit Aktiven Service System (ASSYST)
- füe alle neuen PKW seit 2002
- deckt auch 229.3 ab
|
| 229.51 |
- Fahrzeuge mit Diesel-Partikelfilter
- länge Ölwechselintervalle
|
BMW
|
Norm
|
Zuordnung
|
| Spezialöl |
gültig bis Bj. 98 |
| Longlife 98 (LL98) |
Für PKW ab Bj. 98 |
| Longlife 01 |
(LL01) Für Fahrzeuge ab Bj. 01 |
| Longlife 04 (LL04) |
Für PKW mit Partikelfilter und Euro 4 Abgasnorm |
Opel
|
Norm
|
Zuordnung
|
| GM-LL A-025 |
Benzin-Fahrzeuge mit langen Ölwechselintervallen |
| GM-LL B-025 |
Diesel-Fahrzeuge mit langen Ölwechselintervallen |